Samstag, 29. Oktober 2016

Mein Personal, unsere Marotten und ich

„Möchtest du nicht mal eine Geschichte über deine Marotten schreiben?“ fragte mein Personal mich neulich. „Es gibt auch etwas zu gewinnen.“

Ich war mitten in der Mittagsmeditation auf meinem neuen grünen vorläufigen Nachdenkplatz und hob leicht indigniert ein Augenlid. Mein erster Gedanke: „Kann man den Gewinn essen?“ Meine nächsten Gedanken: „Marotten?! Ich!? Kann gar nicht sein. So etwas hab ich nicht! Wieso nicht die Marotten von mo jour?! Und wieso eine Extra-Geschichte? Hier in meinem bebilderten diCATalen Poesiealbum geht es doch – wenn man es denn so bezeichnen will - um nichts anderes als um ihre und meine ‚Marotten‘!“

Ginivra liegt obenauf:
Marotte oder gute Manieren?

Es gibt tatsächlich Menschen, die behaupten, wir Katzen hätten welche. Also Marotten. Nun, als Büromieze betrachte ich die Welt mit Katzenaugen, und aus dieser Perspektive ist meine Sicht der Dinge verständlicherweise eine andere.

Was Zweibeiner für 'kätzische Marotten' halten, sind für unsereins meist 'artbedingte Notwendigkeiten' oder 'katzhaft gutes Benehmen'.

Es liegt daran, dass die Menschen uns nicht so gut verstehen - und dann produzieren sie unweigerlich Katzmissverständnisse. Wie dieses zum Beispiel:

Neulich hörte ich die Nachbarin von schräg oben (die einem grauen Kater dient) mein Personal fragen, ob ich denn nicht auch regelmäßig meine 'komischen fünf MINUTEN' hätte .... Für mich: ‚Was für eine komische FRAGE‘!

Meinte sie damit etwa, dass ich jeden Morgen genau ‚fünf Minuten‘ VOR dem großen Gong des Weckers (den ich hasse und regelmäßig mit einem lauten Knurren quittiere) damit anfange, mein Personal (die berühmte mo jour, ihres Zeichnes Chefin vom Büro für besondere Maßnahmen) beherzt wachzutreteln, ihr unüberhörbar mehrstimmig ins Ohr zu gurren und sie auf diese Weise fürsorglich darum zu bitten, rechtzeitig VOR dem Weckergetöne aufzuwachen? 

Das tue ich doch nur, damit sie den Wecker ausschalten kann, bevor er überhaupt klingelt. Auf diese Weise schütze ich ihre empfindlichen Personal-Ohren vor dem Wecker-Geräusch, das ganz sicher Gehörgangs-Krebs verursacht! Mir zumindest.

Ähnliches machen viele von uns Feliden (und sicher auch der graue Kater von schräg oben), aber die Menschen denken meist nur, dass wir dann schon vor der Zeit um unser Frühstücksfutter betteln. Das ist natürlich eine völlige Fehlinterpretation. Ich bin weder berechnend noch manipulativ, sondern behandle mein Personal in jeder Hinsicht immer höchst wohlwollend und außerordentlich respektvoll!

Eines ist ja wohl klar: Wenn es in meinem Revier ausreichend Mäuse gäbe, könnte ich nachts jagen, wie es artgerecht ist. Dann wäre ich gar nicht darauf angewiesen, dass mein Personal regelmäßig in der Früh den Dosenöffner betätigt.

In meinem 2-Raum-KDB-Balkon-Betonplattenbau-Revier aber gibt es keine Mäuse. Ich habe auch mein Personal noch nie jagen sehen. Sie frisst kein frisch gejagtes Fleisch. DAS nenne ich eine Personal-Marotte par excellance!

mo jour hat zudem die seltsame Marotte, regelmäßig die ganze Nacht zu verschlafen. Das muss man sich erst einmal vorstellen. Sie schläft! Die ganze Nacht! Noch dazu in einem Bett! Und spitzt dabei noch nicht einmal die Ohren!

Warum kann sich das Personal nicht einfach - wie ich auch - tagsüber auf irgendwelchen herumliegenden Einkaufstaschen oder in frisch gelieferten Pappkartons rekreieren, innerhalb von halbstündigen Nickerchen?

Dann hätte sie auch mehr Zeit, im Dunkeln zu Jagen. Das wäre für uns beide um einiges lustiger! Ich mopse mich nämlich des nachts und schlendere wiederholt ziemlich gelangweilt und laut maunzend mein Revier ab. Aber mo jour hält das für eine Marotte und stopft sich genervt die Bettdecke in die Ohren. „Katzenmusik!“ nennt sie mein Singen. Sie lässt mich alleine Mäuse jagen, die gar nicht da sind. Oder nur aus Plüsch.

Was das Thema Marotten angeht, haben wir uns also gegenseitig nichts vorzuwerfen. Und jetzt widme ich mich wieder meiner Mittagsmeditation. Es ist immer noch ungeklärt, ob man den Gewinn essen kann.


PS.
Dieser Text ist mein Beitrag zur Blogparade „Meine Katze, ihre Marotten & ich“, veranstaltet von der Fantasy-Autorin Platti Lorenz zum dritten Geburtstag ihres Blogs „Tyrrin Hexenkater“  im Oktober 2016.

Teilnehmen könnt Ihr dort noch bis zum 31. Dezember 2016. Aber macht's auch - Weihnachten kommt immer so plötzlich ;-)

Kommentare:

  1. Beste Ginivra,

    der Hexenkenkater dankt für diese hervorragenden Erläuterungen und entschuldigt sich für die Unterbrechung der Mittagsmeditation.

    Liebe Grüße
    Tyrrin + Redaktionspersonal ^_^

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    1. Sehr verehrter Herr Hexenkater Tyrrin!
      Es wir meine eine wohlige Ehre und ein schnurriges Vergnügen
      >°.°<
      prrrt.

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  2. Liebe Ginivra,
    Dosenöffner sind Marotten auf Füßen! Und wenn wir Euch nicht hätten, würden wir vor lauter putzigem Getue zu nichts mehr kommen. Ihr gebt uns Struktur, indem Ihr uns Aufgaben gebt! Vielen, vielen Dank

    sagt Schmitts Freundin, die inzwischen auf den Hund gekommen ist und sich dafür bei Dir auf das Zerknirschteste entschuldigt.

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    1. Liebe Frau Schmitts Freundin,
      da haben Sie eine sehr schlichte Wahrheit aus unserem Katzendasein auf eine wunderbar kreative, sehr psycho-philosophische Kurzform gebracht.
      CHATpeau!
      >°.°<
      prrrt.

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  3. Oh ja, Marotten ;-) Komisch, als ich nach langer Zeit zum ersten Mal hier vorbeischaute und den Text las, fielen mir keine Marotten unserer Mädchen ein. Das lag wohl an der langen Blogpause. Inzwischen könnte ich reichlich zu dem Thema beisteuern. Aber gerade diese Marotten machen das Zusammenleben mit unseren Damen ja so liebenswert :-)

    Für Dein 'Personal' drücke ich ganz doll die Daumen! Ich hatte zwischenzeitlich mal auf dem anderen Blog gelesen …
    LG Silke

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    1. Liebe Silke,
      so sind es denn außer den KLEINEN Dingen, die unser (Alltags-)Leben erst lebenswert machen, im Zusammenleben die jeweiligen Marotten, die uns und die anderen so einzigartig und liebenswert machen.
      Alles Gute dir & deinen Lieben ...
      dazu ein Danke & liebe Grüße
      auch von mo jour.
      >°.°<
      prrrt.

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Vielen Dank für dein Schnurren, Fauchen und so.
prrrt.
>°.°<